Anfang Juni 2026 begann dieses Projekt zunächst ganz unspektakulär am Computer. Ich wollte Edvard Munchs „Der Schrei“ als Foundation-Paper-Piecing-Projekt umsetzen.
Aus der ersten Planung wurde im Juli ein echtes Nähprojekt. Jetzt, im August, ist der nächste große Meilenstein erreicht: Das Quilt-Top ist fertig zusammengesetzt.
Der fertige Quilt wird etwa 80 x 100 cm groß und besteht aus zwölf einzelnen Bereichen. Genäht habe ich – wie bei meinen anderen Kunstquilts – mit Batikstoffen. Die vielen unterschiedlichen Strukturen innerhalb der Farben sorgen dafür, dass die Flächen lebendig bleiben und das Motiv trotz der geraden FPP-Linien eine besondere Dynamik bekommt.
Aktuell besteht die Vorlage aus 189 Schnittteilen und insgesamt 952 einzelnen Stoffteilen. Dafür habe ich 62 verschiedene Stofffarben verwendet.
Und genau diese Zahlen werden sich vermutlich noch verändern.
Denn das fertige Top ist gleichzeitig der große Praxistest für meine Vorlage. Jetzt kann ich noch einmal überprüfen, welche Bereiche sich vereinfachen lassen, wo Teile zusammengefasst werden können und wo vielleicht auch bei der Farbaufteilung eine Optimierung möglich ist.
Danach wird Gina die überarbeitete Vorlage noch einmal probennähen. Erst wenn auch dieser Schritt abgeschlossen ist, wird aus meinem eigenen Quiltprojekt eine fertige FPP-Vorlage.
Die Veröffentlichung im Shop ist für Dezember 2026 geplant.
Aber darf man „Der Schrei“ überhaupt als Vorlage verkaufen?
Diese Frage wurde mir inzwischen mehrfach gestellt – und sie ist absolut berechtigt.
Die kurze Antwort lautet: Ja, in Deutschland ist das Originalwerk gemeinfrei.
Das deutsche Urheberrecht sieht grundsätzlich eine Schutzdauer von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers vor. Edvard Munch starb am 23. Januar 1944. Damit endete die urheberrechtliche Schutzfrist für seine Werke mit Ablauf des Jahres 2014.
Auch das Munch Museum schreibt ausdrücklich, dass Munchs Werke 2015 gemeinfrei wurden und die Motive frei verwendet werden können.
Das bedeutet: Ich brauche keine Erlaubnis von einem Rechteinhaber, um Munchs „Der Schrei“ als Grundlage für meine textile Umsetzung zu verwenden.
Und trotzdem ist mir eine Sache wichtig: Ich behaupte nicht, dass das Motiv meine eigene Idee ist.
Im Gegenteil. Ich nenne Edvard Munch als Künstler und beziehe mich ausdrücklich auf sein Werk „Der Schrei“. Die Inspiration und das ursprüngliche Motiv stammen von ihm.
Was ich geschaffen habe, ist die Übersetzung dieses Motivs in eine völlig andere Technik.
Das sieht man schon an den Materialien: Munch malte sein Werk, meine Version besteht aus zahlreichen einzelnen Batikstoffen. Aus Pinselstrichen werden Stoffflächen, aus Farbübergängen werden einzelne Stoffstücke und aus den Bewegungen des Pinsels werden FPP-Nahtlinien.
Keine exakte Kopie
Auch technisch kann meine Vorlage das Original nicht 1:1 abbilden.
Ich arbeite bei meinen FPP-Vorlagen mit geraden Linien und nicht mit frei gezeichneten Kurven. Die charakteristischen geschwungenen Bewegungen im Original müssen deshalb durch eine Vielzahl gerader Linien nachempfunden werden.
Dadurch verändert sich die Darstellung zwangsläufig.
Auch einzelne Elemente fehlen. Die kleinen Segelboote, die man aus dem Original kennt, habe ich beispielsweise nicht in meinen Quilt übernommen.
Das Ergebnis ist deshalb kein Versuch, Munchs Gemälde einfach auf Stoff zu kopieren. Es ist eine textile Umsetzung und Interpretation eines gemeinfreien Kunstwerks.
Und genau das ist für mich der spannende Teil: Was passiert, wenn man ein weltberühmtes Gemälde nicht malt, sondern aus hunderten kleinen Stoffteilen zusammensetzt?
Das fertige Top zeigt inzwischen ziemlich deutlich die Antwort.
Jetzt folgt noch die Überarbeitung der FPP-Vorlage und anschließend das Probenähen. Danach kann das Projekt hoffentlich im Dezember auch für andere Patchworker zum Nachnähen bereitstehen.
Und jetzt interessiert mich eure Meinung: Würdet ihr euch an „Der Schrei“ als FPP-Projekt wagen? Oder wären 952 Stoffteile für euch eher ein Grund, schreiend davonzulaufen?
Ein wichtiger Hinweis zur Bildquelle
Gemeinfrei ist das ursprüngliche Kunstwerk. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes beliebige Foto oder jeder Scan des Gemäldes frei von eigenen Rechten oder Nutzungsbedingungen ist. Für meine eigene Vorlage ist deshalb die konkrete Bildquelle ebenfalls relevant. Ich verwende für die Gestaltung keine geschützte moderne Interpretation eines anderen Künstlers, sondern das gemeinfreie Original als Grundlage.
Für die spätere Produktbeschreibung werde ich deshalb ebenfalls sauber angeben, dass die Vorlage auf Edvard Munchs „Der Schrei“ basiert.
